Ich dokumentiere hier den Bericht vom 16. Verhandlungstag der Soligruppe Potsdam:

16. Verhandlungstag im Potsdamer Antifa-Prozess
07.11.2006
Am heutigen 16ten Verhandlungstag wurde zunächst die Berliner Polizistin Carola Meinelt zum zweiten Mal vor Gericht gehört. Hierbei gab sie an, im Gegensatz zu dem Potsdamer Polizisten Blöss, diesem gegenüber keine Person direkt als Täter benannt zu haben. Desweiteren sagte sie wiederum aus, sie könne nicht 100% sagen, welche Person geschlagen habe, sie habe die Täter allerdings der Statur und der Kleidung nach identifizieren können.

Hiernach gab Dr. Semmler ein gerichtsmedizinisches Gutachten zu der Schwere der Verletzungen und dem Tathergang ab. So habe Oestreich eine 4cm lange und 0,5cm breite Kopfplatzwunde erlitten, sowie eine 4cm lange und 0,3cm Breite Schürfwunde am Arm. Desweiteren habe er einen Kratzer von 0,5cm Länge unter der Schulterblatt gehabt, sowie über Druckschmerzen am Oberarm geklagt. Die Platzwunde am Kopf könne nach Angaben des Mediziners verursacht worden sein, durch einen Schlag, den das Opfer im aufrechten Gang vom einem hinter im befindlichen Rechtshänder erhalten habe. Als Tatwerkzeug käme dafür prinzipiell ein Teleskopschlagstock in Frage. Der als bei den Asservaten liegende Teleskopschlagstock, sei jedoch nicht geeignet gewesen, lebensgefährliche Verletzungen hervorzurufen. Die Schürfwunde am Arm, sei, da diese atypische Merkmale aufwies, vermutlich nicht von einem stockähnlichen Gegenstand verursacht worden, sondern mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hätte sich das Opfer diese beim Sturz über einen Tisch oder einen Stuhl zugezogen. Die kleine Schürfwunde am Rücken hätte laut Dr. Semmler „durch alles mögliche“ verursacht werden können. Desweiteren gab der Gutachter an, dass die Objektivität der Zeugen durch die Art des Angriffes eingeschränkt gewesen sein könne, da dieser von vielen als „blitzartig“ beschrieben wurde. Dies könne erklären warum die Tat, welche von den Zeugen beschrieben wurde, laut dem Verletzungsbild des Opfers so nicht stattgefunden haben kann. Sollte es dennoch weitere Schläge oder Tritte gegeben haben, müssten diese im Bereich des Rucksackes getroffen haben, da ansonsten keine weiteren Verletzungen sichtbar gewesen seien.

Am Ende des heutigen Verhandlungstages wurden von den Anwälten der Angeklagten noch sechs weitere Beweisanträge gestellt. Diese bezogen sich auf weitere zu ladende Zeugen, da diese die bisher vor Gericht gehörten Aussagen unterstützen könnten. Der Prozess wird am Mittwoch den 8.11. um 13.00 Uhr fortgesetzt werden.

Quelle: Soligruppe Potsdam