Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung sorgt derzeit für erhitzte Debatten im bundesdeutschen Blätterwald. Grund dafür: Die Studie mit dem formschönen Titel „Gesellschaft im Reformprozess“ konstatiert das Vorhandensein einer „neuen Unterschicht“. Aber nein! Das tut sie eigentlich nicht. Vielmehr wird eine Einteilung der Post-Schröder´schen Hartz IV-Gesellschaft in verschiedene Millieus präsentiert. Da finden sich dann „kritische Bildungseliten“ genauso wie „autoritätsorientierte Geringqualifizierte“. Von der „neuen Unterschicht“ keine Spur. Viel eher ist die Rede von prekären Millieus, die weitestgehend von finanziellen Ressourcen, Bildungs- und Kulturangeboten und Aufstiegschancen ausgeschlossen sind.

Der Begriff „Unterschicht“ geht eher auf den amtierenden SPD-Chef Kurt Beck zurück, der als eigentlichen Kern der Probleme des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft eine reform-renitente „Unterschicht“ ausgemacht hatte, an der die Segnungen der Modernisierungsanstrengungen quasi vorbeigingen.

Die nun in Auszügen vorgestellte Studie war quasi nur noch der Katalysator um die derzeitige Debatte in Gang zu bringen. Dabei entsprechen die vorgetragenen Argumentationen der politischen Klasse den althergebrachten Bahnen von Diskussionen zum Thema. Da finden sich Stimmen, wie des linken Sozialdemokraten Ottmar Schreiner, der teilweise zu recht die Ursachen für diese Entwicklung in der Politik der Rot-Grünen Koalition sieht. Genauso finden sich aber auch auf CDU-Seite Argumentationen wonach es soetwas wie eine „Unterschicht“ gar nicht geben würde. Also die gesamte Bandbreite von Schuldzuweisung bis hin zu blanker Leugnung. Eine wirklich fundierte Debatte findet in der Öffentlichkeit jedoch kaum statt. Dabei wäre eine breite und vorallem wissenschaftlich fundierte Diskussion dieser Problematik von Nöten.

In den nächsten Tagen werde ich an dieser Stelle einige Betrachtungen zum Thema „Neue Armut“ und „soziale Ungleichheit“ präsentieren… To Be Continued!