Gestern wurde in Berlin und Meck-Pomm gewählt. Wie zu erwarten war gelang es den Nazis von NPD und REPs wieder Erfolge zu erzielen, was sicherlich auch dadurch begünstigt wurde, dass die Hälfte des Wahlvolkes gleich mal beschlossen hatte sich aus dem politischen System zu verabschieden und gar nicht zu wählen. Allgemein herrschaft Ratlosigkeit, wie das zu erklären wäre. Ich habe da so meine Vermutungen. Neben dem allgemeinen Versagen in den „harten“ Fakten und Politikfeldern, die sicherlich die Hauptursache für Rechtsturn und Politikverdrossenheit darstellen, sollte auch die politische Kultur der Republik einer kritischen Revision unterzogen werden.

Wenn man sich die Kommentare der Politiker nach der Wahl zu Gemüte führt, dann unterscheiden sich die Äusserungen kaum von denen, die Fussballtrainer nach Spielen von sich absondern. Da werden Phrasen von Problemen, Niederlagen, klaren Siegen, Steilvorlagen usw. gedroschen, die vom Niveau her fast an Andi Möller erinnern („Vom Feeling hatte ich ein gutes Gefühl.“)

Das Gestammel der Politiker lässt kaum noch einen Zweifel daran, dass sie sich der teilweise existenziellen Bedeutung, ihrer Funktion als Entscheidungsträger, für viele Menschen nicht mehr bewußt sind. Stattdessen wird sich hinter maskenhaften Phrasen versteckt, die den hilflosen Versuchen von erfolglosen Trainern gleichen, die versuchen ihren wackelnden Stuhl als Coaches zu retten. Angesichts solcher Szenen, mit denen man an Wahltagen bombardiert wird, kann ich die Verdrossenheit vieler Menschen nachvollziehen.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist dass immerhin 7,2% der Meck-Pommer dem Zirkus der etabilierten Berufspolitiker, durch den noch viel aussichtsloseren und an Idiotie kaum zu überbietenden Zirkus der Braunen ersetzen wollen. Dahinter steckt nicht nur Protest, sondern auch Dummheit und Verblödung. So konnte die NPD besonders in ländlichen und strukturell rückständigen Gebieten punkten. Einerseits weil sie dort mit dumpfen Parolen auf eine ebenso dumpfe Zuhörerschaft gestossen ist. Andererseits aber auch weil sich die Demokratie und ihre Vertreter aus diesen Gebieten flächendeckend zurückgezogen hat. Die meisten ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind durch Wegzug und fehlende Förderung doch längst zu kulturfreien Zonen geworden. Dieses Vakuum, in dem die Menschen sich selbst und Hartz IV überlassen werden, da entsteht der Humus für die Aktivitäten der Nazis.

Das zu erkennen und dagegen anzugehen, dass wäre eine Möglichkeit im Rahmen dieser imperfekten Demokratie gegen den Aufstieg der Nazis vorzugehen. Eine weitere wäre ein Wandel der politischen Kultur in diesem Land, weg von Talkshow-Clowns, die Politik spielen und inszenieren, hin zu einer glaubwürdigen und differenzierbaren Interessenvertretung.