Ich muss sagen, heute wurde mein linkes Selbstwertgefühl wieder ein wenig geradegerückt. Auf einer kleinen Reise in die brandenburgische Provinz, in eine Kleinstadt mit noch kleinerer linker Szene, wurde mir mal wieder bewusst, warum ich irgendwann angefangen habe mich als „links“ zu defineren.

In dem kleinen Städtschen angekommen, gönnte ich mir nach langer Abstinenz mal wieder eine VoKü, die wider Erwarten und obwohl vegetarisch ganz lecker war. Dazu gab´s noch Gespräche mit den örtlichen Jugendlichen über ihre Probleme und Problemchen mit den örtlichen Faschos. Alles sehr nett, unterhaltsam und kurzweilig. Die Leute in diesem Städtchen können sich tiefgreifende ideologische Spaltungen auf Grund ihrer geringen Anzahl gar nicht leisten. Dieses linke Zwangskollektiv, das sich so oder so ähnlich in vielen ostdeutschen Kleinstädten findet, hat doch Sympathien bei mir wecken können.

Die weitestgehende Theorie- und Ideologiefreiheit verbunden mit dem Underdog-Status, den so nur linke Jugendliche in der Provinz haben, hat mir doch das Herz gewärmt. Mir wurde schlagartig bewußt wie versaut doch der Polit-Moloch Berlin ist, und wie aufbauend regelmäßige Aufenthalte in der Provinz sein können. Allen die regelmäßig diese linke Politikverdrossenheit verspüren, sich von K-Gruppen, Antifasekten und ideologischen Debatten zunehmend nicht mehr angezogen fühlen, all denen empfehle ich regelmäßige kurze Aufenthalte in der Provinz. Da wird dem Metropolen-Linken doch gleich wieder bewußt, in welch relativem politischen Luxus man doch lebt…